tDCS – Eine vielversprechende Methode zur Modulation neuroplastischer Prozesse

Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist eine nicht-invasive, gut verträgliche Methode zur Beeinflussung neuroplastischer Prozesse. In mehreren Ländern, darunter die USA, Russland, Belarus, Ukraine und Kasachstan, wird sie seit über 40 Jahren als sichere und schmerzfreie Behandlungsmethode anerkannt.

tDCS-Studienlage in Deutschland und weltweit

Eine Übersicht der in Deutschland anerkannten Studien zur Effektivität der tDCS bei Erwachsenen finden Sie hier:

📥 tDCS-Effektivitätsstudien (PDF)

Die Studienlage zur Anwendung von tDCS bei Kindern und Jugendlichen weltweit sowie deren Relevanz für Ihre individuelle gesundheitliche Situation bespreche ich gerne persönlich in meiner Praxis. Zudem steht Ihnen dort ein umfassender Ordner mit tDCS-Studien aus verschiedenen Ländern zur Verfügung. Gerne gebe ich Ihnen auch Hinweise, wo Sie die originalveröffentlichten Studien nachlesen können.

TDCS-Indikationen

Zugelassene Anwendungsgebiete in Deutschland:

Indikation
Evidenzlevel ℹ️ Der Evidenzlevel gibt an, wie sicher man sich in der Wissenschaft ist, dass tDCS bei einer bestimmten Krankheit wirklich hilft. Ein hoher Level (z. B. Level A) bedeutet, dass es viele gute Studien gibt, die die Wirksamkeit zweifelsfrei belegen.
Depression

tDCS kann parallel und flankierend zur Standarttherapie (Pharmako- oder Psychotherapie)

Level A

(definitiv wirksam)

Abhängigkeitserkrankungen Level B

(wahrscheinlich wirksam)

Schmerzen

Postoperative Schmerzen, diffuser und lokalisierter Schmerz in den unteren Extremitäten nach Rückenmarksverletzung, Fibromyalgie , Migräne, chronische Schmerzen bei Multipler Sklerose, erhöhtes Schmerzempfinden nach Schlaganfall

Level B

(wahrscheinlich wirksam)

Motorische Störungen nach Schlaganfall Level B

(wahrscheinlich wirksam)

Kognitive Defizite

Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen nach Schlaganfall, Schädel-Hirn Trauma, MS, Parkinson-Krankheit

Level C

(möglicherweise wirksam)

Dysphagie nach einem Schlaganfall Level C

(möglicherweise wirksam)

Aphasie nach einem Schlaganfall (die Kombination mit Sprachtherapie ist indiziert) Level C

(möglicherweise wirksam)

Akustische Halluzinationen bei Schizophrenie Level B

(möglicherweise wirksam)

Anwendungsgebiete in anderen Ländern, die in Deutschland offiziell nicht zugelassen sind:
• Entwicklungsstörungen bei Kindern (z. B. Verzögerung der neuromotorischen Entwicklung, Lernschwierigkeiten)
• Sprachentwicklungsstörungen, Stottern, Tics bei Kindern
• Autismus
• Zerebralparese bei Kindern
• Angeborene Atrophie/Hypoplasie des N. opticus und Frühgeborenenretinopathie
• Sehstörungen bei Kindern
• Epilepsie
• Schlaganfälle in der akuten Phase
• Schädel-Hirn-Trauma, einschließlich Behandlung in der akuten Phase und bei Wachkoma-Patienten
• Skoliose
• Peak Performance im Sport
Kontraindikationen der tDCS-Methode

Die tDCS-Methode ist nicht für alle Patienten geeignet. Folgende Kontraindikationen sollten beachtet werden:

• Individuelle Unverträglichkeit gegenüber Stromtherapie

• Vorhandensein von kardialen, vaskulären oder anderen Implantaten (z. B. Herzschrittmacher, Defibrillator)

• Vorhandensein von intrakraniellen Implantaten (z. B. Metalle wie Platten, Schrauben, Splitter, ventrikulo-peritonealer Shunt, Endoprothesen, Hirnstimulatoren, Cochlea-Implantate)

• Offene Wunden oder Hautverletzungen (z. B. große Narben) am Kopf

• Zustand nach Kraniotomie (chirurgische Schädelöffnung) oder Zustand nach Kranioplastik (Reparatur oder Wiederherstellung von Schädeldefekten oder -deformitäten)

• Akute Erkrankungen mit Fieber

• Stark reduzierter Allgemeinzustand des Patienten

• Dekompensierte chronische Erkrankungen

• Schwangerschaft (keine absolute Kontraindikation; aufgrund unzureichender Daten zur Sicherheit von tDCS während der Schwangerschaft sollte sie jedoch vermieden werden)

Dauer und Kosten der tDCS-Therapie

Ein tDCS-Therapieblock umfasst 4 bis 20 Behandlungssitzungen, die innerhalb von 1 bis 4 Wochen stattfinden. Nach Bedarf können einige Erhaltungssitzungen durchgeführt werden. Die tDCS kann in Verbindung mit anderen Therapien eingesetzt werden, um den Bedarf an Medikamenten zu reduzieren oder eliminieren.

Wir benutzen ein individuelles auf ihr Problem bezogenes tDCS-Protokoll. Ich erkläre Ihnen, welche Positionen, Stromstärke und Dauer der Sitzung optimal für Ihren Fall sind.

Die tDCS-Sitzung verläuft in der Anwesenheit des Arztes, der den Patienten während der tDCS-Therapie überwacht und das Behandlungsprotokoll führt. Alle unerwünschten Wirkungen werden dokumentiert. Patient (Sorgenberechtigter) bekommt ein Tagebuch, das jeden Tag ausfüllt werden muss.

Nach jedem tDCS-Block werden die Verlaufskontrollen und ein Abschlussgespräch durchgeführt. Da die Neuroplastizität des Gehirns die Zeit braucht, positive Änderungen können noch binnen weiterer zwölf Wochen nach dem tDCS-Block vorkommen. Deshalb bekommen Sie noch nach einem und nach drei Monaten nach dem tDCS-Therapieblock die Termine zur Verlaufskontrolle.

Beachten Sie bitte, dass die Behandlung mit tDCS-Methode bisher nicht in der GOÄ verankert ist. Sie wird deshalb nach so genannten Analogziffern gemäß §6 (2) der GOÄ und zwar als A838 2,3-facher Satz mit 73,73 Euro pro tDCS-Sitzung abgerechnet. Dies bedeutet, dass Sie für Leistungen, die mit einem A gekennzeichnet sind, möglicherweise keine oder nur eine Teilerstattung der Kosten durch Ihre Privatkasse oder Beihilfestelle erhalten. Die anfallenden Kosten müssen Sie daher unter Umständen selbst tragen.

Ablauf der tDCS-Sitzung Ablauf der tDCS-Sitzung

Positionierung der Elektroden: Zwei bis vier Elektroden werden am Kopf nach dem individuellen Schema angelegt. Die Positionierung und Größe der Elektroden sind individuell, das entscheidet der Arzt je nach Indikation.

Stimulation: Bei tDCS –Therapie wirkt ein schwacher Gleichstrom durch zwei speziell positionierte Elektroden (Anode und Kathode) am Kopf durch den Schädelknochen hindurch auf das Gehirn.

In Abhängigkeit von der Stärke, Dauer bzw. Polarität wirkt der applizierte Strom hemmend oder erregend auf die kortikale Aktivität im Gehirn. Dabei kommt es zu einer Veränderung des Membranpotentials, welches die Informationsweiterleitung entweder fördert oder hemmt.

Eine tDCS-Sitzung dauert in der Regel zwischen 10 und 40 Minuten je nach Indikation und Alter des Patienten.

tDCS-Therapie bei Kindern in Deutschland – Offizielle Zulassung und Herausforderungen

In Deutschland ist die tDCS-Therapie für Kinder derzeit nicht offiziell zugelassen. Dies liegt vor allem an zwei Faktoren:

Unzureichende wissenschaftliche Evidenz für bestimmte Anwendungen: Besonders bei speziellen Patientengruppen, wie Kindern mit Entwicklungsstörungen, sind große, placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte Studien schwer umzusetzen. Dennoch wird aktiv in mehreren deutschen Universitätskliniken zu diesem Thema geforscht.

Aufwendige Zulassungsverfahren: Die offizielle Zulassung von medizinischen Verfahren erfordert zeit- und kostenintensive Studien und Antragsprozesse.

tDCS-Therapie bei Kindern im russischsprachigen Raum

Im russischsprachigen Raum hingegen wird die tDCS-Methode seit Jahrzehnten erfolgreich bei Kindern eingesetzt. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten dokumentieren ihre Anwendung bei Entwicklungsstörungen, Autismus und schweren Sprachentwicklungsverzögerungen. Wichtige Literaturquellen hierzu sind:

Transzerebrale Elektrotherapie. Klassische und moderne Technologien – V. Gulyaev, V. Matveev (2015)

Transkranielle Mikropolarisation des Gehirns: Klinik, Physiologie – D. Pinchuk (2007)

Mikropolarisierungstherapie in der Neuropädiatrie – A. Shelyakin, I. Preobrazhenskaya, O. Bogdanov (2008)

Mikropolarisation bei Kindern mit Entwicklungsstörungen: Wege zur Erweiterung des begrenzten Entwicklungspotenzials (2011)

tDCS gestern, heute, morgen – A. Shelyakin, I. Preobrazhenskaya (2021)

Leitlinien tDCS bei Autismus und Sprachentwicklungsstörungen – Republikanisches Forschungs- und Praktikumszentrum für psychische Gesundheit, Minsk (2015)

Patente zur Anwendung von tDCS bei Kindern

Zudem existieren mehrere Patente zur tDCS-Behandlung von Kindern, darunter:

Patent RU 2 248 227 C1 (2004): Methode zur Behandlung psychischer Entwicklungsstörungen bei Kindern

Patent RU 2 402 973 C1 (2009): Methode zur Korrektur von psychischen Störungen bei Kindern

Off-Label-Use der tDCS-Therapie für Kinder in meiner Praxis

Basierend auf meiner Ausbildung an der Staatlichen Medizinakademie des Uralgebiets (Jekaterinburg, Russland) und den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem russischsprachigen Raum biete ich die tDCS-Behandlung bei Kindern im Rahmen des sogenannten Off-Label-Use an. Gerne berate ich Sie individuell zu den Möglichkeiten dieser Methode.

Was ist Off-Label-Use? Ein Off-Label-Use liegt vor, wenn ein Arzneimittel oder eine Methode angewendet wird, die für das betreffende Anwendungsgebiet (Indikation, Patientengruppe) nicht zugelassen ist oder deren Einsatz von den Bestimmungen der aktuellen Fachinformation abweicht. Dazu gehören Aspekte wie Mindest-/Höchstdosis, Anwendungshäufigkeit, Therapiedauer oder vorgeschriebene Vor- und Begleittherapien.

Der Begriff "Off-Label-Use" bedeutet wörtlich "andere Verwendung als auf dem Etikett" und sinngemäß "nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch". In Deutschland ist es Ärztinnen und Ärzten grundsätzlich erlaubt, Arzneimittel oder Methoden zulassungsüberschreitend anzuwenden. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist ein Off-Label-Use jedoch nur in Ausnahmefällen möglich.

Weitere Informationen hierzu finden Sie in meinem Merkblatt Orientierungshilfe: Heilbehandlungen, individuelle Heilversuche, Off-Label-Use: Worauf zu achten ist, das Ihnen vor dem Aufklärungsgespräch ausgehändigt wird.

Eine Off-Label-Use tDCS-Anwendung erfordert eine umfassende Aufklärung der Patientinnen und Patienten. Im Aufklärungsgespräch werden nicht nur verschiedene Aspekte der Off-Label-Use tDCS-Anwendung besprochen, sondern auch eine Begründung für den Off-Label-Use der tDCS-Therapie in Ihrem konkreten Fall sowie eine Einschätzung der Erfolgsaussichten dargelegt.

Selbstverständlich werden auch mögliche Kontraindikationen sorgfältig geprüft, und das erwartete Nutzen-Risiko-Verhältnis wird umfassend bewertet.

Kontaktieren Sie mich für eine persönliche Beratung oder weitere Informationen!

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